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Betörend

Tartane, Hausnummer 225

Bär

Eins vorweg: was hier gleich folgt ist eine kleine Lobhudelei. Subjektiv. Überzeugt. Gut gesättigt. Mit Journalismus hat das nix mehr zu tun, denn das Tartane hat mich gleich beim ersten Mal gepackt und verdreht mir die Worte im Mund. Wenn man eintritt, glaubt man es zunächst nicht, denn das Interieur wirkt zunächst um 20 Uhr so, als sei man definitiv 4 oder 5 Stunden zu früh hier. Ein hippe, reichlich bestückte Bar, darum herum: runde Tische mit gerundeteten Stühlen aus Chrom und Leder, allesamt Dinge die mit dem Verweis „Panton-Ära“ auf ebay große Summen erzielen würden, auch wenn sie möglicherweise gar nicht aus dieser Zeit stammen. Eine geschmackssichere Ausstattung, die zuallererst aber nicht Geschmack, sondern eher Durst auf einen Pisco Sour weckt. Das Trinken hier nicht alles ist, verrät vor dem Eingang der kleine Open-Air-Grill auf dem bereits saftige Scampi-Spieße zirkulieren, im hinteren Bereich ist dann das Herz des Ladens zu finden, die offene Grill-Bar. Hier wird das gegart, was später den Gaumen Purzelbäume, den Magen arbeiten und die Geschmackssinne tänzeln lässt. Und man kann schnuppern, zugucken und staunen.

Gleichzeitig kann man sich freuen, dass das Publikum nicht ganz so hip daher kommt wie das Interieur. Ein schöner Mix aus Familientreffen mit Kinderecke, Bon-Vivants und Schlendrianen. Das fühlt sich gut an.

“Monthly BBQ-Angebote“ kommen auf einem einfachen Fax-Papier von den allesamt herzergreifend sympathischen Damen des Ladens daher geflattert. Das scheint zunächst ziemlich unromantisch zu sein, was einen da erwartet. Thüringer Bratwurst, Steaks, Tapas, Quesadillas und vor allem: Burger-Variationen – Basic-, Classic-, Lamb- und Veggie-Varianten buhlen hier um die Gunst der leeren Mägen.

Ich hatte an diesem Abend das Vergnügen mit meinem Freund TimW, mit dem ich mich sonst nur in Weddinger Proberäumen tummelte, (http://www.myspace.com/wildbadkreuth) zu speisen. Er entschied sich zielstrebig für das Lamm-Gebilde. Meine Blicke zielten eher auf die Tafel als auf das Burger-Fax. Hier wird alltäglich frische Kost à la „Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise“ angeboten. Man hat die Wahl ob man einzelne Elemente verkosten möchte oder gleich das komplette Menü wählt. Bei sagenhaften 16,80 Euro „tutto completto“ fiel die Wahl sehr leicht. Schließlich ist dieser Dreiklang – „das kleine Tartane-Menü“ - ja auch geradezu perfekt gemacht für diesen Blog.

Zu trinken gab es vorab den antialkoholischen „Tartane-Special“. Rhababersaft trifft hier auf Club-Mate (3 Euro). Alle Achtung: Wachmacher, Fruchtbombe und Cool-Downer zugleich. Die Kombi nehme ich auf jeden Fall mit nach Hause. Einzig das Mischverhältnis blieb noch unklar.

1. Gang: Brombeer-Gazpacho mit Dattelspieß

Zu Beginn gleich die Geschmacksbombe. Herrlich fruchtige Tomatensuppe. Perfekt für den Sommer. Mit ordentlich Knoblauch, frischen Kräutern, einem Touch Frucht und vor allem diesen wundersamen von etwas Bacon umhüllten Datteln. Alles zusammen funktionierte als perfekter Kickstart in ein wirklich betörendes Menü. Brot dazu half, wirklich jeden Tropfen dieser Suppe bis zum Ende auszukosten, jeder weitere Nachschlag wäre gern genommen gewesen. Danke, Tartane.

2. Gang: Ingwer-Hähnchenbrust auf Süßkartoffelpüree und frittiertem Manjok

Ja, die Jungs und Mädels aus dem Tartane stehen nicht nur auf schickem Interieur und gut geschnittenen Hemden sondern vor allem auch auf guten ausgewählten wohlklingenden Zutaten. Den Anfang machte die Ingwer-Hähnchenbrust. In dünnen perfekt angebratenen Scheiben wellte sie sich über das Süßkartoffelpüree und bestach durch die ideale Menge an Ingwer, von dem zuviel ja meist dann auch viel zu viel ist. Nein, die Tartane-Crew weiß offenbar was sich gehört und jeder Besucher darf davon profitieren. Frisches Gemüse und das sehr spezielle Manjok machten die Komposition rund. Da verblasste mein anfänglicher Neid auf den mit handgemachten Pommes, selbst gerührtem Dip und imposant aufgetürmten Lamb-Burger meines Gegenübers TimW rasch, auch wenn es nicht nur mit den Tartanern sondern auch mit dieser fleischeslustigen Kombination bestimmt mal ein Wiedersehen geben wird.

3. Gang: Tequila Parfait mit weißen Schokoküchlein, rotem Pfeffer und Melone

Gäbe es einen Preis für den besten Namen eines Gerichts, wäre diese herrliche Nachspeise bestimmt in die engere Auswahl gekommen. Doch die Bezeichnung hielt nicht nur was sie versprach, sondern übertraf dies noch bei weitem. Hier wurde nicht mit guten Namen und gutem Klang kulinarisches Make-Up aufgetragen, sondern es war tatsächlich so gut und sogar noch besser als es vorgab zu sein. Davon musste sich auch TimW nicht lange überzeugen lassen und griff schnell zum zweiten Löffel.

Beide Löffel kreuzten sich fortan über dem auch optisch fantastischen Dessertteller und erfreuten sich an der Kalt-Warm-Kalt-Kombination aus Parfait und Küchlein. Auch der Pfeffer irritierte zwar zunächst, entpuppte sich von Löffel zu Löffel jedoch als perfekt dosierte Zutat. Kurzum: Wir konnten es kaum fassen, was uns da als Nachtisch gereicht wurde, so gut war das alles und wir wollten mehr davon und wiederkommen und uns weiterhin erfreuen. Der Nachtisch wurde so zum mit Abstand überzeugendsten Abschluss den ich seit langem bei meinen vielen kulinarischen Testreihen hatte. Eine schöne Sünde, der man gerne immer wieder verfällt und sich von ihr in seinen Bann ziehen lassen will. Eine rasante Auf- und Abfahrt durch alle erogenen Zonen des Gaumens. Die – so vermute ich – mich nun auch zu dieser subjektiv-säuselnden Lobhudelei ansetzen lässt. Die Tartaner wissen eben wie man es macht. Und sie machen alles richtig. Hoffentlich bleibt es auch so erschwinglich wie es derzeit noch ist. Ein großer Laden auf einer großen Straße.

BBQ-Best-Ofs
Jackson 5 – It´s great to be here
Wu Tang Clan – Radiant Jewels
Fruit Bats – Singing Joy to the world

 

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